Angelruten im Test

Schlag den Achter – Stippermesse ins Quadrat

bremen_2009_pollyEin schlechtes Bild ist besser als gar kein Bild. Diese Fotografenweisheit ist mir schmerzlich bewusst geworden, als ich mich auf dem Heimweg von der Stippermesse in Bremen befunden habe. Das Foto, das ich nicht gemacht habe, hätte die Angelmesse durch ein Bild unsterblich gemacht. Stattdessen muss ich nun die Eindrücke auf dem Mac zusammenfassen. Aber das ist die gerechte Strafe für meine Bequemlichkeit zur falschen Zeit. Auf dem Bild wäre übrigens das Bremer Parkleitsystem mit dem Hinweis auf die „Stippermesse“ zu sehen gewesen. Schöner hätte man die neue Dimension der Veranstaltung von Susanne und Heinz nicht festhalten können.


bremen_2009_kidsIn meinem Artikel vom letzen Jahr habe ich durchaus kritisch angemerkt, dass die Messe in der Sporthalle ihren Zenit erreicht hat und die echten Highlights einer eingespielten Routine gewichen sind. Längst haben wir uns an Stars der Szene gewöhnt, die sich durchaus wieder mit der Angel wieder nach Deutschland trauen. Auch der gigantische Kopfrutenstand versprühte nicht mehr die Magie der vergangenen Jahre. Wie ein guter Wein, hatte die Stippermesse ihre Reife erlangt.
Natürlich hätte man jetzt mit einer Verwaltung des Erfolgs rechnen können. Wir Matchangler sind ja nicht sehr verwöhnt und so hätte sich das Turnhallenkonzept noch ein paar Jahre getragen. Wer allerdings die dickköpfige Urgewalt von Susanne und Heinz kennt, wusste, dass auf uns Stipper noch eine Überraschung warten würde. Diese erreichte dann auch postwendend in Gestalt einer professionellen Pressemitteilung die Szene: Die Stippermesse findet in 2009 in den Bremer Messehallen statt. Damit ist die Hobby-Veranstaltung einerseits den Kinderschuhen entwachsen und andererseits wurde die neue Professionalität auch zum Probierstein für die Zukunft. Die Veranstalter setzten alles auf eine Karte. Schließlich konnte niemand wisse, ob der Markt überhaupt eine solche Veranstaltung verkraften würde. Es wäre nicht das erste Mal, dass eine Messe mit zunehmender Struktur ihren eigenen Charme einbüßt. Ich möchte es gleich vorweg nehmen: Die Stippermesse in Bremen war ein großartiger Erfolg und alle Teilnehmer Gewinner.
Auch wenn ich das Foto nicht gemacht habe, das Flair der Messehallen durfte ich schon bei der Anreise ausgiebig genießen, während ich mich im Stau auf dem Weg zum Parkhaus befand. Mit kontemplativer CeBIT-Gelassenheit konnte ich zur Kenntnis nehmen, dass noch eine Boots- und Reitausstellung parallel liefen. Für eine Angelveranstaltung ist das durchaus ein ideales Umfeld. So kann sich in vielen Fällen die ganze Familie mit unterschiedlichen Interessen einen schönen Tag machen.
bremen_2009_cmDa ich etwas später die Rolltreppe zur Messehalle benutze, habe ich den ganz großen Ansturm nicht selbst erlebt, aber die Berichte und Bilder der Kollegen belegen diesen eindrucksvoll. Es ging mühsam durch die Gänge und das Treiben war unübersichtlich. Am Ende zählte man stolze 2019 Besucher.
Trotz der neuen Räumlichkeiten blieben Susanne und Heinz bei ihrem bewährten Tandem-Konzept: Ein Hersteller tritt zusammen mit einem Fachhändler auf, damit die Besucher auch entsprechend einkaufen können. Ich schätze dieses Konzept sehr, denn wenn man kilometerweit fährt und endlich die lang gesuchten Gerätschaften in Händen hält, möchte man sie einfach auch mitnehmen. Außerdem kann man auf besondere Angebote hoffen und diese in natura miteinander vergleichen. Während der Handel aus nachvollziehbaren Gründen kaum noch die ganze Bandbreite hochwertiger Geräte bereithält, bietet Bremen die komplette Vielfalt des modernen Friedfischens.

bremen_2009_polesWie immer thronte in der Mitte der Halle der gewaltige Kopfrutenstand und auch in 2009 wohnten mit Didier Delannoy und Mark Pollard wieder internationale Stars der Geräteschau bei. Allerdings habe ich den Eindruck gewonnen, dass die Attraktionen nicht mehr ganz den zentralen Stellenwert der letzen Jahre einnehmen. Das mag daran liegen, dass sich die Innovationen bei den Kopfruten in Grenzen halten und die wirtschaftliche Situation andere Angelarten stärker in den Fokus rücken lässt. Die internationalen Stars sind eine Bereicherung, aber die Stippermesse braucht keine Galionsfiguren mehr, da sie inzwischen selbst zu einer Eigenmarke geworden ist. Das ist aus meiner Sicht der größte Erfolg der Angelmesse, der sich vermutlich auch nicht kopieren lässt. Den Markencharakter unterstreichen die Veranstalter mit dem Untertitel „Faszination Friedfischen“. Unter der Hand ist der Titel längst Programm geworden, denn die Ausstellerliste (neu hinzugekommen: Exner, Rutenbau Kneffel, PoleDoc, Erde und Lehm, Timar Mix, Preston und Hardy&Greys) zeugt von einer Bandbreite, die sich weit über das Thema „Stippen“ hinaus bewegt. Ich bin mir auch ganz sicher, dass in dieser Dimension die Zukunft der Unternehmung angelegt ist und wir im nächsten Jahr noch ein paar Schmankerl mehr genießen können. Auf der Insel und in Holland gibt es noch viele Spezialisten, die unseren Horizont erfreulich erweitern würden. Spontan fallen mir da Ton Temming und vor allem Peter Drennan ein. Besonders Drennan genießt einen legendären Ruf in Deutschland. Die Marke fände in Bremen eine mehr als adäquate Bühne und die richtige Klientel ist per se vorhanden. Vielleicht tragen die vielen Berichte in Print- und Onlinemagazinen ja dazu bei, das Bewusstsein der Hersteller ein wenig zu sensibilisieren.
bremen_2009_heinzWenn ich dabei an Heinz’ glückliches Gesicht beim Betrachten einer Hardy Centerpin denke, bin ich ganz sicher, dass ihm die Träume noch lange nicht ausgegangen sind.
Wer die Ausstellerliste aufmerksam betrachtet, wird schnell erkennen, dass man eine solche Veranstaltung mit Träumen allein nicht auf die Beine stellen kann. Natürlich gibt es Interessenkonflikte und Befindlichkeiten, um die man die Organisatoren nicht beneiden wird. Umso mehr muss man die Leistung von Susanne und Heinz anerkennen und darf ihnen gleichzeitig zu einem wirklich gelungenen Event gratulieren. Die Stippermesse und ihre 2019 Besucher dürften aber auch für andere Veranstaltungen beispielhaft sein, denn selten habe ich so viel Freude und Leidenschaft erlebt, die Angler, Händler und vor allem die vielen internationalen Besucher in ihren Bann schlagen konnte.
Die Bremer Messe hat in jeder Hinsicht Maßstäbe gesetzt und auch endlich die verdiente Aufmerksamkeit der Medien gewonnen. Mit der Popularität werden die Ansprüche steigen und kommerzielle Aspekte zusätzlich Raum einnehmen. Während wir uns also auf die Stippermesse 2010 freuen, haben andere einen gewaltigen Berg Arbeit. Ich bin sicher, nächstes Jahr erleben wir wieder eine Leistungsschau mit Eventcharakter der Extraklasse.
Was vor acht Jahren als Abenteuer in einem Schulfoyer begann, ist jetzt zu einem nicht mehr wegzudenkenden Erlebnis für Friedfischangler geworden.

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