Angelruten im Test

Der Großwildjäger – Colmic Carpodromo 11,50 Meter

colmic_carpodromo_logo_1Kopfruten gibt es zwar wie Sand am Meer, aber die Unterschiede schwinden im Zuge der Fernost-Produktion zusehends. Trotzdem gelingt es einigen Firmen, sich mit ihren Produkten von der Masse abzuheben. Colmic gehört seit Jahren zu diesen Firmen und schafft es zu jeder Saison wieder, Innovation, Preis und Praxisnutzen neu zu erfinden. Irgendwie geht es mit der Entwicklung immer weiter, auch wenn diese offensichtlich in Zyklen abläuft. Im Grunde ist es wie in der Mode. Trends kommen und gehen. Was vor Jahren „out“ war, ist plötzlich wieder absolut „trendy“. Das Produktmanagement von Colmic hat eine gute Antenne für Trends und adaptiert diese bei der leisesten Schwingung. Gleichzeitig hat man genug Mut und Selbstvertrauen, hochwertige Produkte auf den Markt zu bringen, die in ihrer Klasse Maßstäbe setzen. Dabei haben die Macher wohl kaum den Massenmarkt im Sinn, sondern bieten dem Kenner und Könner Spezialgeräte an, die seinen Fähigkeiten ebenbürtig sind. In diese Kategorie fällt die Colmic Carpodromo, die mit 11,50 Meter Länge und einem Set-Preis von 800€ sicher nicht zu den Schnäppchen zählt.

colmic_carpodromo_logoDas Rutenset
Bei der Carpodromo ist alles ein wenig anders und kräftiger. Selbst der Paketbote lieferte die Rute mit einem „Donnerwetter, ist das lang“ bei mir ab. Und tatsächlich, die Carpodromo hat eine Transportlänge von mehr 1,90 Meter. Spontan erinnere ich uralte Triana-Ruten, die noch länger waren, aber das ist ein Vierteljahrhundert her. Das zum Thema Zyklen. Neben der Rute, die in einem passenden Schutzrohr steckt, purzeln zwei Kurzhandteile aus dem geräumigen Futteral. Das „Wolf 6“ gehört zum regulären Colmic-Luggage-Programm und besteht aus stabilem Nylon 600. Die beiden Verlängerungen sind nicht reversibel und passen damit nur für eine bestimmte Rutenlänge. Das 90-Zentimeter-Kurzhandteil verlängert die 10-Meter Rute, während die 70-Zentimeter-Variante nur zur 11-Meter-Rute passt. Zum Set gehört nun noch ein dreiteiliges 4,40 Meter langes Kit. Von der Länge her ist dieses also mit vierteiligen Match-Kits vergleichbar.

colmic_carpodromo_spitzeDie Rute
Schon beim Auspacken wird klar, dass die Carpodromo für große Fische ausgelegt ist. Die sieben Teile fühlen sich extrem robust an und das Handteil selbst übersteht auch das Zuschlagen des Kofferraumdeckels. Trotz der kräftigen Auslegung wirkt die Rute keineswegs ungeschlacht, sondern schmeichelt sich mit Finesse in die Hand. Der Name ist ja durchaus Programm und es gibt keinen Zweifel über den Anwendungsbereich der Carpodroma und doch will sich das typische „Carpa“-Gefühl so ganz und gar nicht einstellen. Im Gegenteil, die Balance der Basisrute ist sehr angenehm und ihre „Stiffness“ ist derart genial, dass man das Modell gar nicht mehr aus den Händen geben möchte. Der deutsche Angler mit seiner Vorliebe für brettharte „Besen“ dürfte bei der Carpodromo am Ziel seiner Wünsche angelangt sein.
Bei der Verarbeitung gibt es nichts zu meckern und Fehler sucht man selbst mit der Lupe vergeblich. Die Teile lassen sich über das Joint-Line-System sauber ausrichten und sitzen meist genau auf dem colmic_carpodromo_verstaerkungRückgrat der Rute. An den Übergängen haben die Colmic-Entwickler Verstärkungen angebracht, die die Teile zusätzlich vor Abnutzung schützen. Wie nicht anders zu erwarten, kann auch ein kanadischer Holzfäller beim Abstecken ohne Umsicht zugreifen, denn die Teile sind an den kritischen Stellen extrem mit Material versehen. Insgesamt wird man ohnehin Probleme haben, Schwachstellen bei der Rute zu finden. 
Die äußerst straffen Kits sind praxistauglich gekürzt und so verliert man selbst bei Hohlgummis keine Rutenlänge. Aber auch bei der Gesamtlänge gibt sich Colmic keine Blöße. Ich messe 9,10 Meter und exakt 10,00 Meter mit der ersten Verlängerung. Mit dem zweiten Kurzhandteil zeigt der Zollstock genau 11,50 und ohne 10,90 Meter. Genauer geht es nicht. Man mag sich durchaus über die unterschiedlichen Kurzhand- und verschiedenen Rutenteile wundern, aber bei der Carpodromo ist jedes Teil einzeln konstruiert und auf maximale Belastung bei bester Balance ausgelegt. Sie haben Ähnliches sicher selbst schon bei anderen Ruten beobachtet. Auf das Austarieren einer Rute kann man sehr viel Hirnschmalz verwenden. Colmic bietet über die berühmten Universal-Kits weiteres Zubehör an, so dass man sich „seine“ Rute selbst erweitern kann. Wenn man von der Bezeichnung FJ-90 oder FJ-100 auch nur ansatzweise auf die Carbonklasse schließen darf, dann besteht der Top-Set-Bereich der Rute aus hochwertigstem und damit sehr teurem Carbon. Der Blick auf die Kitpreise bestätigt diese Annahme. Die Carpodromo gehört ja auch nicht zur Ballerklasse der Kopfruten.
Neben den regulären Carp-Kits lassen sich aber zusätzlich einige Standard-Match-Kits verwenden, die der Balance der Rute zusätzlich Flügel verleihen. Das ergonomische Handling wird durch die angenehmen Durchmesser der Handteile nicht gestört. Diese liegen zwischen 41,6 (10 Meter) und 44,1 Millimeter (11,50 Meter). Wie nicht anders erwartet, verfügt die Carpodromo über eine aalglatte geschliffene Oberfläche und lässt sich damit komfortabel verkürzt fischen.

colmic_carpodromo_wandungFazit
Mit ihrem Preis von ca. 800 Euro ist die Carpodromo kein Mitnahmeartikel. Sie ist als Spitzenprodukt für den Einsatz auf Großfische getunt und bietet sich allen Stromfischern an, die selten ihr Revier verlassen. Für Angler an Weser, Rhein und Elbe ist die Carpodromo sicher eine Traumrute. Sie lässt sich in allen Längen wunderbar fischen und selbst Tunken wird zur reuelosen Freude. Per se eignet sie sich für das Fischen auf Karpfen und andere Großfische in stehenden Gewässern. Auch bei einem Ausritt an den Forellenteich hätte man sie nur zu gerne im Futteral. Ich empfehle die Carpodromo allen Großfischjägern, die die Präzision beim Fischen mit der Pole mit einem der besten verfügbaren Werkzeuge am Markt kombinieren möchten.

In den Kategorien Praxis und Angelfreude bekommt der italienische Großwildjäger von Colmic jeweils hundert Prozent! Leider müssen Sie beim Füllen des Sparschweins ein wenig geduldiger sein. Spezialisten haben eben ihren Preis.

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