Die Elektronikbranche hat es leicht. Schon lange haben wir uns an aggressive Angebote, kunterbunte Prospekte und markige Sprüche gewöhnt. Die -Boulevardpresse reflektiert die Sprache der Werber und verdichtet diese zu unsterblichen Phrasen und Wortgebilden, die an Schlichtheit kaum zu überbieten sind. Wenn 1-Euro-Läden und Schnäppchen nicht mehr ziehen, kurbelt man den Absatz eines Produktes intelligenter an, indem man es kurzerhand zum sozialistischen Gemeingut macht. Ich denke dabei natürlich an die allgegenwärtigen Volksprodukte, die durch ihr besonderes Preis-Leistungs-Verhältnis den idealen Deal für jedermann darstellen. Über die Bezeichnung erhält das Produkt den Ritterschlag und die beste Empfehlung zugleich.
Obwohl es sogar schon verrückte Bundesliga-Ruten gegeben hat, wundert es mich schon lange, warum die Angelbranche diesen Titel noch nicht für sich entdeckt hat. Nach Volksnotebook, Volkskredit und Volksbrötchen ist es höchste Zeit für die Volksrute. Ich meine das durchaus ernst, denn die Wirtschaftskrise macht ja auch vor unserem Hobby nicht halt und mancher Angler wird sich schon gefragt haben, ob der Aufwand, den wir beim Matchfischen treiben, nicht auch geringer ausfallen darf. Diesen handfesten Überlegungen wirken die Hersteller schon lange entgegen, indem sie preiswert in Fernost fertigen. So schaffen sie es, weiterhin innovative Ruten zu entwickeln, die bezahlbar bleiben. Trotz allem bewegen sich die Top-Ruten nach wie vor auf einem hohen Preisniveau. Es ist nämlich keineswegs so, dass High-End-Poles günstig geworden sind. Vielmehr sind gerade die Einsteiger- und Mittelklasse-Poles so gut geworden, dass der Name im Grunde irreführend und falsch ist. Eine Einsteigerrute war vor einigen Jahren wirklich „gruselig“. Heute bekommt man in dieser Klasse hingegen eine Toprute. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass es keine Einsteigerrute mehr gibt. Deswegen möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf die Browning XitanZ1 lenken und Sie ermutigen, sich die Frage zu stellen: Wie viel Rute braucht der Stipper?
Die teuren Top-Produkte ziehen uns magisch an. Auf der Stippermesse kann man live erleben, wie wir Angler über kleinste Details lebhaft streiten und welche Ruten besonders frequentiert werden. Man nimmt die preiswerte Rute motiviert in die Hand, um dann das bessere Modell mit einem zufriedenen Lächeln in unsere Träume zu holen. Wenn wir finanziell nicht zu sehr eingeschränkt sind, lassen wir das Grundmodell der Serie liegen. Schließlich ist die bessere Rute Balsam für unser Ego und tief im Inneren glauben wir, damit auch mehr Fische zu fangen. Wir haben aber alle schon das Gegenteil erfahren und wissen, dass die Praxis am Ende zum Erfolg führt. Was nützt da die tollste Rute, wenn hinterher das Geld für den Sprit fehlt? Gar nichts.
Die Browning XitanZ1
Die Browning XitanZ-Serie geht in die zweite Runde und löst die erfolgreichen TitanZ-Modelle ab. Technisch sind die Ruten nahezu identisch und unterscheiden sich nur durch Verbesserungen bei der Oberfläche. Die preiswerte Z1 stellt das Grundmodell der Serie dar und kann damit auch als Muletto-Rute genutzt werden. Ich betone hier das Wort „Grundmodell“, denn eine Ruten für den Einstieg ist die Xitan lediglich durch den günstigen Preis. Die 13-Meter-Rute wurde schon unter 500 Euro gesichtet und das Set mit einem vollwertigen fünfteiligen Kit bleibt unter der 700-Euro-Marke. Teilweise findet man im Handel noch deutlich günstigere Angebote. Bei der Ausstattung verzichtet Browning auf eine umfangreiche Ausstattung und setzt konsequent auf günstige Preise für das Zubehör. Ein extra starkes Cupping- oder Power-Kit dürfte für rund 80 Euro zu haben sein.
Xitan-Rutenbausatz
Der Xitan-Baukasten erschöpft sich aber nicht mit fünfteiligen Kits. Zur Freude vieler Angler gibt es vierteilige Top-Sets mit 4,60 Meter Länge, die für viele Gewässer vollkommen zureichend sind. Da das Teil 5 meistens zu den teuersten Segmenten einer Kopfrute gehört, ist die Preisersparnis enorm. Wenn Sie als keine langen fünfteiligen Kits benötigen, sparen Sie mehr als 100 Euro. Aber Browning bietet noch mehr. Für alle Xitan-Ruten gibt es ein „Power Match Kit“, das aus drei Teilen besteht und mit oder ohne Spitzenteil gefischt werden kann. Ohne Spitzenteil mutiert die Z1 zum kraftvollen Hebekran der Extraklasse. Das „Power Match Kit“ (PMK) ist weniger eine Revolution, sondern ein aus der Praxis abgeleitetes Kit-Konzept. Der Vorteil der PMK begründet sich vor allem durch die Rutenbalance, die unter Verwendung der PMKs deutlich besser ist als bei den Power-Kits.
Wer mit dieser Auswahl noch immer nicht zufrieden ist, kann seine Xitan noch um ein kurzes Teil-4 oder gar ein „Tension Puller Kit“ erweitern. Mit dem TPK lässt sich die Rute zur Brechstange für kommerzielle Gewässer umbauen.
Eigenschaften der Xitan
Die Xitan Z1 ist ein klassische neunteilige Kopfrute mit einer moderaten Transportlänge von 1,75 cm. Ohne Miniverlängerung erreicht die Rute eine Länge von 10,90 bzw. 12,35 Meter. Gemessen am Wettbewerb sind das sehr gute Werte. Mit der Verlängerung messe ich 11, 70 und 13,10 Meter. Damit erreicht die Rute nach dem Kürzen die zugelassenen 11,50 und 13 Meter. Dieses Ergebnis sehe ich als vorbildlich an. Ich möchte nicht verschweigen, dass die Rute unter Verwendung der Mini-Extension leidet, aber das gilt für alle anderen Ruten. Der Handteildurchmesser fällt mit 43 – 45,8 Millimeter (11 – 13 Meter) noch angenehm aus.
Ich habe die Z1 ausführlich mit der Z8 verglichen und erwartungsgemäß bleibt die Z1 in der Disziplin „Stiffness“ fühl- und messbar hinter der Z8 zurück. Die gefühlte Balance hingegen macht stutzig, denn die Z1 schlägt sich hervorragend, wenn man dazu die über 1000 Euro Preisdifferenz in die Betrachtung mit einbezieht. Bei 11 Metern hat man schon fast Probleme die, Ruten spontan auseinanderzuhalten. Dieses Ergebnis ist erstaunlich und stützt die anfangs erwähnte Ablehnung des Begriffs „Einstiegsrute“. Jede Rute ist in 11 Meter leicht zu handhaben, werden sie denken, aber die Xitan Z1 macht im direkten Vergleich eine erstaunlich gute Figur.
Die Z1 verfügt über eine geschliffene Oberfläche und gleitet ohne Probleme durch die Hände. Die Verarbeitung ist durchweg sauber und die Gestaltung wirkt unaufdringlich modern. Ich muss zugeben, dass mir die schwarze Z8 noch besser gefällt, aber das gesparte Geld verwende ich lieber für einen Italienurlaub. Ansonsten findet sich die inzwischen übliche Ausstattung mit Passmarken und Artikelnummern auf den Teilen auch bei der Z1. Alle Segmente wirken robust und lassen sich kaum eindrücken. Unter normalen Umständen wirkt die Rute nahezu unzerstörbar.
Fazit
Für mich ist die Xitan Z1 ein Bekenntnis an die Vernunft und damit im besten Sinne eine Volksrute. Sie ist an jedem Gewässer einsetzbar und macht mit ihrem umfangreichen Zubehör wirklich beliebige Ausbaustufen möglich. Damit empfiehlt sie sich allen Anglern, die eine Rute mit voller Länge und großer Robustheit suchen, dabei aber bei der Balance nicht zu viele Kompromisse eingehen wollen. Im Hinblick auf die Stiffness rangiert die Z1 zwar unterhalb der High-End-Klasse, schlägt aber locker alles, was früher als Einsteigerrute bezeichnet wurde. Zwischen der sehr erfolgreichen Lethal Weapon und der Xitan Z1 liegen Lichtjahre. Wenn Sie nicht jeden Tag mit Mückenlarven auf höchstem Niveau fischen und öfter auf der bequemen 8-11-Meter-Bahn angeln, greifen Sie gelassen zur Z1. Sie ist der ideale Kumpel auf dem Weg zum Stipper-Olymp. Dort angekommen, können Sie sich immer noch eine kompatible Z8 zulegen.
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