Mit der berühmten alten Carboxy-Match hat sich Browning ein Denkmal gesetzt. Obwohl diese Ruten extrem teuer waren, werden die Fans jedes andere Produkt daran messen. Selbst nach über zehn Jahren wechseln die Teamangler die Carboxy nur widerwillig gegen ihre modernen Vertreter aus. Da irgendwann auch die beste Matchrute „müde“ ist, muss man sich mit der Neuanschaffung beschäftigen. In diesem Stadium hat man es durchaus schwer, denn das Angebot ist vielschichtig. Jeder Hersteller bietet in jedem Segment Produkte zu allen erdenklichen Preisen an. Bei Browning markiert die Champion‘s Choice Match den Bereich der Highend-Produkte, während die Syntec- und Ambition-Serien eher die Low-Budget-Modelle repräsentieren. Das „Gap“ zwischen 200- und 70-Euro-Rute hat Browning mit der brandneuen Xitan Ultra Match gefüllt.
Die Serie umfasst vier Modelle in den klassischen Längen 12, 13, 14 und 15 Fuß. Die Wurfgewichte bewegen sich rund zwischen 8 und 35 Gramm. Alle Ruten sind identisch mit einem langen Korkgriff und einem Screw-Down-Rollenhalter ausgestattet. In Anbetracht der Knappheit von Kork ist dies zwar beachtlich, aber die Verarbeitung zeigt deutlich, dass Kork ein knappes Gut geworden ist. Selbst bei sehr hochwertigen Fliegenruten kann man geleimte Korkpartien ausmachen. Dennoch bleibt Kork wohl ein unersetzliches Material. Alle Versuche, diesen zu ersetzen, sind bisher weniger erfolgreich geblieben. Schon deswegen ist es schön, dass Browning hier auf bewähren Pfaden wandelt. Auffällig bleibt die gute Bestückung mit vielen Ringen und der Verteilung von zwei Ringen auf dem Handteil. Es mag eine Marotte von mir sein, aber eine derartige Platzierung der Ringe bringt bei Feuchtigkeit Vorteile. Außerdem kann der Wind nicht so stark auf die Schnur einwirken. Siebzehn Ringe zieren den Blank der 4,20-Meter-Rute. Das nenne ich vorbildlich. Die ersten beiden Teile sind federleicht und man hat das Gefühl, gar nichts in den Händen zu halten. Beim Spitzentest merkt man sofort, dass hier wenig Harz zum Einsatz gekommen ist. Aus diesem Grund sind die Ruten bestens ausbalanciert. Man könnte fast den Eindruck bekommen, dass sich Kontergewichte im Handteil befinden, da sich die Ruten so wenig kopflastig zeigen. Die Ringe haben einen etwas weiteren Durchmesser und erlauben den Einsatz von robusten Stoppern. Wie zu erwarten sind diese sauber gebunden und großzügig mit Harz vergossen. Insgesamt sollte man die Einstegringe vorsichtig behandeln, denn die Metalllegierung ist hart und große Biegeaktionen quittieren sie mit einem Bruch.
Xitan Ultra Match 3,60 Meter
Die nur bleistiftdünne Rute zeigt sich extrem sportlich, indem sie eine straffe Aktion ausweist. Sie hat mich wirklich überrascht, denn erwartet hätte ich eher eine parabolische Biegekurve, wie ich sie von der gleich langen Champion‘s Choice gewohnt bin. Die Xitan spricht eindeutig den deutschen Matchangler an, der einer harten Rute meist den Vorzug gibt. Ihr idealer Einsatzzweck sind kleine Gewässer oder Stellen mit Hindernisse, die den Einsatz einer langen Rute unmöglich machen. Die 3,60-Meter-Xitan ist eher eine spritzige Rute für den Wettbewerb als eine Rute für den Fang von Forellen und Karpfen. Ich empfehle sie auch für den Einsatz im Mittelwasser.
Xitan Ultra Float 3,90 Meter
Und wieder eine totale Überraschung, denn die 3,90 Meter lange Rute fällt aus meiner Sicht komplett aus der Rolle. Alle anderen Modelle sind straff, während die 13-Fuß-Rute beinahe britische Tugenden zeigt. Sie ist eindeutig semiparabolisch und extrem gutmütig ausgelegt. Die Rute ist ganz nach meinem Geschmack, ultraleicht und ermöglicht mühelos weite Würfe mit leichten und mittelschweren Wagglern. Browning gibt das Wurfgewicht mit 10-20 Gramm an. Ich würde eher 6-12 Gramm ansetzen und praxisgerechte 2-8 Gramm empfehlen. Allerdings gehöre ich auch zu den zarteren und vorsichtigen Naturen. Siebzehn Ringe führen die Schnur. Auch hier kann ich nur ein sehr gut vergeben. Die 3,90-Meter-Variante der Xitan Ultra Match ist mein persönlicher Tipp an Sie.
Xitan Ultra Float 4,20 Meter
Wenn man zuvor die 13 Fuß lange Rute in der Hand hatte, will man nicht glauben, dass die 14-Fuß-Version aus der gleichen Serie stammt. Diese reiht sich eindeutig in die Riege der schon beschriebenen 3,60-Meter ein. Die Aktion zeigt sich erst unter Last. Beim Schwingen verharrt der Blank starr und die Kräfte verteilen sich über die gesamte Länge. Mit einem kurzen Ruck federt die Rute in die Ausgangsposition zurück. Für meinen Geschmack bei 14 Fuß fast zu ruppig. Sportliche Naturen werden hier in ihrem Element sein und der Xitan der Vorzug vor der Champion‘s Choice geben.
Xitan Ultra Distance Waggler 4,50 Meter
Die 15-Fuß-Rute ist ganz klar auf Kraft ausgelegt. Sie liegt wie eine biestige Stange in der Hand und reagiert erst auf kraftvolle Energie. Einmal in Schwung gebracht, schafft man mit der Rute extreme Wurfweiten. Große Distanzen sind populär und Browning hat das richtige Werkzeug dazu geliefert. Das angegebene Wurfgewicht von 15-35 Gramm geht voll in Ordnung. Leichte Posen lassen sich nur störrisch handhaben. Der Name Xitan Ultra Distance Waggler ist im wahrsten Sinne des Wortes als Programm zu verstehen.
Fazit: Wer glaubt, Browning hätte sich Wettbewerb im eigenen Haus geschaffen, der irrt. Die Xitan Ultra Ruten basieren auf einem völlig neuen Blankkonzept und haben eine ganz andere „Seele“. Während die CC-Ruten ganz klar zu der Kategorie der klassischen Matchruten zu zählen sind, gehören die Xitan Ultra-Ruten zu den modernen Vertretern der Wettbewerbsruten. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Spezialisten und Teamangler mehrheitlich zur Xitan greifen werden, denn im Hinblick auf das letzte Quentchen Geschwindigkeit haben diese Ruten die Nase vorn. Wer mehr Wert auf Verarbeitung, zeitloses Design und Robustheit legt, wird sich für die Champion‘s Choice entscheiden. Auszusetzen gibt es wenig an der Xitan Ultra Match. Vielleicht sollten die Rutenentwickler noch einmal einen prüfenden Blick auf die 13-Fuß-Variante werfen, denn diese fällt durch ihren ganz eigenen Charakter aus der Serie heraus. Aber für mich bleibt gerade diese die beste Matchrute im gesamten Programm.
Insgesamt hat Browning durch die Hintertür einen echten Star in Stellung gebracht. Auch der weniger aufmerksame Beobachter wird feststellen, dass die Finesse der Xitan ein enormes Potential bietet. Wenn Browning die Ruten noch ein wenig liebevoller ausdifferenziert, kann manch andere Rutenserie in Rente gehen. Die Straßenpreise bewegen sich dabei zwischen günstigen 100 und 130 Euro. Auch wenn mir die 15-Fuß-Rute nicht liegt und mir matte Ruten besser gefallen, kann ich die 12-, 13- und 14-Fuß Modelle uneingeschränkt als empfehlenswert benoten.
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