Angelruten im Test

Die Neun. Stippermesse in Bremen 2010

Dieses Jahr habe ich mein Foto gemacht. Im klaren Licht des winterlichen Sonntags wies das Bremer Parkleitsystem den Weg für die Stipper zum Messegelände.

stippermesse_2010_schild_0Langsam wird es müßig über die Anfänge im Schulfoyer zu schreiben, denn nach neun Veranstaltungen hat die Stippermesse längst den Aufstieg in die Champions League der Angelshows geschafft. Dennoch erinnere ich gern die Aufbruchstimmung und die quirlige Vorfreude, die zumindest bei mir eine gewissen Instrumentalisierung erfahren hat. Das ist wohl der Preis, den man für die Professionalität zahlen muss. Außerdem bin ich mir sicher, dass kein Angler die Enge und Bescheidenheit der ersten Veranstaltungen zurückwünscht. Susanne und Heinz sind mit Ihrer Veranstaltung längst zum Hecht im Karpfenteich geworden. Das zeigt nicht nur die eindrucksvolle Ausstellerliste, sondern auch die Beteiligung der Angelverbände und der Presse. Der Blinkers war mit einem eigenen Stand vertreten und stellte sich den Stippspezialisten mit einem fachkundigen Redaktionsteam. Ich denke nicht, dass die Beteiligung des Blinker allein dem Heimvorteil oder gar der Größe der Veranstaltung geschuldet ist, sondern vielmehr der neuen Vielfalt an Themen. Die Messe gibt zwar über den Markennamen das Programm vor, hat sich aber längst zu einer attraktiven Bühne für Friedfischangler gemausert. “Faszination Friedfisch” ist Motto und Leistungsbeschreibung zugleich.
stippermesse_2010_tobiNeben den üblichen Protagonisten der puren Stippszene präsentierten sich erstmalig die Classy Catchers rund um Wolfgang Kalweit dem Publikum. Ein wenig distinguiert, aber nicht minder aufgeschlossen, beantworteten die Nostalgiker liebenswürdig Fragen zu allen Themen klassischer englischer Angelmethoden. Ganz sicher musste so mancher versierter Hightech-Stipper erkennen, dass unter Gottes Sonne nichts neu ist und der vermeintliche Geheimtip längst bei Peter Stone vor 40 Jahren geschrieben stand. Das Erinnerte konnte man gleich mit Leben füllen bzw. auch das Portemonnaie leeren, denn Hardy gastierte in taktischer Nähe. Für die Edelschmiede ist dies bereits der zweite Auftritt und aus den Gesprächen konnte ich klar entnehmen, dass man es bei Hardy ernst meint, indem man auf Wachstum setzt. Da sich diese Strategie mit betriebswirtschaftlicher Vernunft, Tradition und Augenmaß paart, bin ich mir sicher, dass man die gesetzten Ziele erreichen wird. Für uns Angler ist Hardy allemal eine Bereicherung, denn gerade in Zeiten der Massenproduktion sehnt sich mancher Angler nach einem Stück Originalität und Besonderheit.

stippermesse_2010_classy_catchersMit einem abgewandelten Zitat von Leica möchte ich sagen: Irgendwann ist jeder reif für eine Hardy. Natürlich wird nicht jeder die Aura einer Hardyrute verspüren und ganz schnell gute und rationale Argumente beisammen haben, um den Zauber als geschickte Markenführung zu enttarnen. Diejenigen, die sich aber darauf einlassen und über das entsprechende Sensorium verfügen, werden bei Hardy das Besondere finden. Und dass sich Know-how und Tradition doch nicht so einfach kopieren lassen, zeigen anschaulich die wunderbaren Hardy-Achsrollen, die ihren Preis voll und ganz wert sind.
stippermesse_2010_foxBei dem Thema Nostalgie und Moderne darf natürlich Fox nicht vergessen werden. Die Briten haben sich erstmals an einer Centrepin versucht und in Bremen ein Muster aus der ersten Serie vorgeführt. Die Rolle besitzt die Eigenschaften einer guten Achsrolle und wurde wie alle Produkte von Fox stark frequentiert. Der Preis für das Uhrwerk von Fox soll auf dem Niveau englischer Rollenwunder liegen. Das ist aus meiner Sicht sehr selbstbewusst, aber die Macher von Fox kennen ihren Markt genau.
Ein weiteres Highlight stöberte ich bei Colmic/Grebenstein auf. Hier lag doch tatsächlich eine zauberhafte 15/17 Fuß Kombimatchrute zwischen den wunderbaren Bolos. Zum Glück arbeitet das vegetative Nervensystem von allein, sonst hätte ich diese herrliche Rute gar nicht bemerkt. Die Antibes 500 Match verfügt über zwei Handteile und kann somit als 15 oder 17 Fuß Variante eingesetzt werden. Dabei bleibt sie schlank und besticht durch ein ausgezeichnetes Stehvermögen. Sie ist zwar von der Schnelligkeit her nicht mit einer rassigen Bolorute zu vergleichen, bietet aber eine harmonische Aktion, die man beim Trotting mit der Achsrolle schätzt. Leider befindet sich diese Rute nicht im regulären Grebenstein-Lieferprogramm, doch der Fuchs Randolf Grebenstein hat die Messe genutzt, um einen schmackhaften Köder auszulegen. Natürlich werden wir die Antibes 500 in der nächsten Ausgabe detailliert vorstellen.

stippermesse_2010_gruppenfotoDie Markenvielfalt auf der Stippermesse war wirklich enorm. Kaum ein Hersteller hat gefehlt. Stars und Sternchen der Szene müssen nicht mehr groß motiviert werden, denn inzwischen ist die Abwesenheit auffälliger als die Teilnahme am Event. Das breite Angebot und die vielen Produkte laden aber zum Vergleichen ein. Mit der Popularität der Stippermesse geht auch eine Transparenz des Marktes einher. Die Kundschaft ist informiert und analysiert schnell, findet ähnliche Blanks zu bizarr unterschiedlichen Preisen und selektiert zum Beispiel beim Futter ganz genau. Die regionale Markentreue bekommt große Löcher, denn via Messe und Internet kann man sich des gesamten Angebots schnell bedienen. Die Kundschaft kauft sichtbar selektiv und abgebrüht ein. Nun war der Markt für Stipper niemals etwas für Goldgräber, aber viele Hersteller haben längst erkannt, dass der Spielraum endlich ist und die großen Themen eher Feeder- und Forellenfischen lauten. Insofern leistet die Stippermesse einen wesentlichen Beitrag zur Popularität des Friedfischangelns, indem sie Interessenten anlockt, die nicht nur den Wettbewerb verfolgen. Man mag es der Fehlsichtigkeit des Alters zuschreiben, aber man kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass neue Gesichter innerhalb der Stippergemeinde eher in Unterzahl sind.

stippermesse_2010_kremkusIm Hinblick auf das Jubiläum 2011 lässt sich berechtigt fragen, welche Ziele jetzt noch zu verfolgen sind. Natürlich kann das Angebot breiter werden oder man steigert weiter fröhlich die Besucherzahlen. Da sich die Stippermesse aber nicht nur quantitativ entwickelt hat, liegt es nahe, einen weiteren qualitativen Meilenstein anzupeilen. Diesen sehe ich in der Umsetzung und Durchführung von Shows oder Demonstrationen. Vielleicht kann man es schaffen, das individuelle Wissen der Flure auf die Bühne zu hieven, um es allgemein zugänglich zu machen. Schon dieses Jahr wurden Versuche in diese Richtung unternommen, die aber im Grundrauschen des Messeäthers untergegangen sind. Der Kopfrutenstand hat seine Bedeutung als Galionsfigur zugunsten des Austauschs untereinander eingebüßt. Jetzt gilt es, diese Interaktion für das Fachpublikum präsent zu machen.

stippermesse_2010_pole_docDas Zeug zu einer Leitmesse hat der Bremer Stipptreff schon lange, aber während andere den Begriff für sich reklamieren, ist die Stippermesse wie keine andere Veranstaltung emotional besetzt. Das gemeinsame Auftreten, sich stellen, von DAV und VDSF zeigt den Weg auf. Es ist sicher keine leichte Aufgabe, dazu die entsprechenden Köpfe zu identifizieren, aber ich bin mir absolut sicher, dass selbige von Susanne und Heinz dick genug sind. Die Zehn muss man erst mal schaffen. Meinen Respekt haben die beiden.

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