Auf der permanenten Suche nach interessanten Geräten bin ich beim winterlichen Stöbern im Shimano-Katalog auf die „Exage Slim” gestoßen, die etwas unscheinbar zusammen mit der überarbeiteten „Exage BX” präsentiert wird. Zunächst dachte ich dabei zwar an taillierte Oberhemden, realisierte dann aber, dass es sich bei der Rute um eine echte Produktneuheit im Sortiment handelt.
Die „Exage Slim” ist, wie der Name schon andeutet, eine extrem schlanke Kopfrute, die in den Längen 7, 8, 10 und 11,50 Meter verfügbar ist. Ich habe mir für meinen Test die längste Variante ausgesucht, da diese als Steckrute ja auch in allen anderen Längen einsetzbar ist.
Zurück in die Zukunft
Die Shimano-Produktmanager haben sich bei der Entwicklung einer schlanken und stabilen Stipprute, die man zum verkürzten und Fischen mit langer Schnur gleichermaßen einsetzen kann, viel Zeit gelassen. Vor ein paar Jahren hatte Colmic mit der Cosmica eine regelrechte Hysterie ausgelöst und jeder namhafte Hersteller sah sich wegen des großen Erfolges der Rute gezwungen, ähnliche Ruten zu entwickeln und anzubieten. Inzwischen ist es um die Hybridruten (ich habe sie so genannt, da sie Steck- und Telerute vereinen) eher still geworden. Da erstaunt es schon, dass Shimano erst jetzt am Ende des Produktzyklus mit einem ähnlichen Konzept auf den Markt kommt. Beim Auspacken und Zusammenstecken der „Exage Slim” wurde mir aber schnell klar, dass man bei Shimano nicht einfach einen Trend adaptiert, sondern eine alte Rutenklasse wiederbelebt hat, die viele Angler unter dem klangvollen Namen „Shimano Twin Power” kennen. Das ist zwar etwas vollmundig formuliert, aber die Ähnlichkeiten lassen sich nicht leugnen.
Die Rute
Die 11,50 Meter lange „Exage Slim” besteht aus acht Teilen und wird mit einer kurzen Verlängerung ausgeliefert, die sich für die 10- und 11,50-Meter-Variante eignet. Die Rute selbst steckt in einem schlichten schwarzen Stofffutteral. Das „Dolly Butt” (Mini-Verlängerung) hat ebenfalls ein eigenes Futteralchen. Die Rutenspitze ist als „Super-Tip” ausgelegt, also durchgehend, und muss selbst für starke Gummizüge nicht mehr gekürzt werden. Eine lange Spitze bietet bei der Verwendung eines Gummizuges deutliche Vorteile, denn das Gummi kann in dem voluminösen Hohlkörper besser als in dünnen Spitzen gleiten. Weiterhin erleichtert es die Montage des Gummis, indem dieses entweder nur im ersten Teil oder in zwei Teilen untergebracht werden kann. Das lästige Einfädeln des Spitzenteils (bei herkömmlichen Topsets) durch das dritte Rutenteil entfällt. Da die beiden ersten Rutensegmente als Steckteile ausgelegt sind, muss man sie beim Transport separat im Futteral unterbringen. Ich bevorzuge diese Variante, obwohl sie mehr Platz benötigt, aber in sekundenschnelle aufgebaut ist.
Die Teile sind durchweg sauber verarbeitet und die Oberfläche sorgt dafür, dass die Rute selbst vorbildlich durch die Hände gleitet. Durch den extrem schlanken Durchmesser ist das Handling der Rute wirklich angenehm. Insgesamt vermittelt der Blank einen äußerst robusten Eindruck, der im Hinblick auf die „Safetyzones” noch verstärkt wird. Mit diesen Zonen markiert der Hersteller die besonders verstärkten Bereiche der einzelnen Teile. Diese sind aber nicht nur beschriftet, sondern stechen schon durch mehrere zusätzliche Wicklungen Kohlefaser hervor. Hier darf der Angler also im wahrsten Sinne des Wortes beherzt zugreifen. Aber auch ohne „Safetyzones” kann man die einzelnen Teile ohne Gewalt kaum eindrücken. Das Material ist kräftig und widerstandsfähig. Das muss es auch sein, denn eine schlanke Rute benötigt einfach etwas mehr Fleisch auf den Rippen, um den Belastungen beim Drill standhalten zu können. Die „Safetyzones” wirken dann wie die Knoten beim einem Grashalm als Verstärkung. Auf sonstige Ausstattungsmerkmale von Shimano, wie „SAS” oder „Aero Joints” muss die „Exage Slim” verzichten. Dafür liefert der Hersteller „Clean Caps” mit, die mit einer Bohrung und einer Teflonhülse versehen sind. Diese Moosgummi-Stopfen bieten mehrere Vorteile: 1. Sie schützen die Teile beim Zusammenstecken, indem sie den Schmutz vom Innenteil wegschieben. 2. Sie erleichtern das Einstecken der Teile. 3. Ein langer Gummizug kann so mittig geführt werden. 4. Durch die offene Hülse entsteht definitiv kein Unterdruck. 5. Rutenteile mit „Clean Caps” schwimmen viel länger, sollten sie in Wasser fallen.
Ferner findet der aufmerksame Angler noch einen kleinen Bausatz im Futteral, um das Shimano eigene „Elasti Gate”-Spannsystem anbringen zu können. Die Idee ist gar nicht so schlecht, denn durch ein Loch führt man das Gummi am Blank nach außen, um es dann an einem Aufwickler außerhalb zu spannen. Diese durchaus interessante Umsetzung ist rein ästhetisch nicht gerade ein Meisterstück und außerdem neigen Montagen dazu, sich gerade diesen Aufwickler zum Festhaken auszusuchen. Wer es mag, kann das System montieren, die Masse der Angler wird es ignorieren. Insgesamt ist die Ausstattung der Rute sehr gut. Selbst die Endkappen sind aus Schaumstoff und heben sich positiv aus der Masse der schnöden Kunststoffkappen heraus, denn die Shimano-Kappen schwimmen, während die anderen auf Nimmerwiedersehen versinken.
Bei kaum einem Hersteller kann man sich mehr auf die Maßangaben verlassen als bei Shimano: Die Exage Slim misst fast genau 11 Meter ohne Miniverlängerung. Mit der Verlängerung sind es tatsächlich 11,50 Meter. In dieser Länge verhält sich die Rute dann allerdings etwas unhandlicher und viel mehr wie eine weiche Telerute.
Fazit
Die Einordnung der Rute fällt nicht leicht. Auf der einen Seite ist sie eine echte Pole und auf der anderen Seite eher eine ruppige Telestippe. Selbst bei Shimano scheint man sich mit der Positionierung ein wenig schwer zu tun, denn trotz der robusten Bauweise findet man die „Exage Slim” bei den Match-Poles, die für Gümmizüge der maximalen Stärke 12 ausgelegt sind. Das trifft aber auf die Rute nicht zu, denn ich hätte keine Probleme, diese mit einem zwanziger Elastik zu bestücken. Die Rute folgt auch nicht der Cosmica MKI oder gar der Browning Magic Force, die mit ihrer straffen Aktion viel mehr in Richtung Pole gehen als die „Exage Slim”. Die Shimano-Rute lehnt sich von der Aktion eher an die Telerute an und empfiehlt sich deswegen für ungetrübten Spaß mit großen Fischen. Durch ihren schlanken Durchmesser (35 Millimeter bei 11,50 Meter) und die flexible Aktion lässt sie sich selbst unter widrigsten Bedingungen einsetzen. Die „Slim” können Sie fischen, wenn andere Ruten nicht mehr zu kontrollieren sind. Mit 700 Gramm Gewicht bleibt sie extrem handlich und lässt sich auch von Kindern wunderbar beherrschen. Ihren idealen Einsatzzweck sehe ich beim Fischen auf Karpfen und Brassen an Schilf oder Krautbänken. Shimano hat die Rute sicherlich mit Hinblick auf den englischen Markt entwickelt, denn dort weiß man, dass eine Uferrute für große Fische nicht bretthart sein darf, da sonst die Gefahr des Ausschlitzens einfach zu groß ist. Die Biegekurve erinnert an die „Twin Power” und ich denke, dass die „Exage Slim” auch den Tanz mit den Barben genauso mit Bravour meistert.
Eine Kategorisierung bleibt schwierig und ist am Ende unerheblich, denn die „Exage Slim” macht einfach Spaß und das Handling der schlanken Rute ist ohne Zweifel komfortabel. Mit ca. 400 Euro gehört sie zwar nicht zu den billigsten Vertretern der schlanken Stippruten, aber Ausstattung und Verarbeitung sprechen für sich. Die Rute ist auch eine Empfehlung für den nicht ganz so versierten und ehrgeizigen Stipper, der sich aber trotzdem überall auf seine Kopfrute verlassen will.
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