Im Laufe meines Berufslebens musste ich mich schon oft mit der undankbaren Aufgabe beschäftigen, UTPs zu erfinden. Vielleicht stutzen Sie jetzt und fragen sich, ob dem Rutentester ggf. der kalte Ostwind das Gehirn eingefroren hat. Nein, dieser wärmt sich die Finger am Mac und wischt die tropfende Nase. Es ist unerfreulich kalt und langsam reißt mir der winterliche Geduldsfaden. Ich will das Rätsel schnell aufklären, denn UTP ist meine persönliche Abkürzung für „unheimlich tolle Produktnamen“. Die Sprache der Werbung ist voll von solchen Wörtern und wir können uns darauf verlassen, dass unsere Ruten auch in Zukunft aussagekräftige Namen tragen. Im übrigen finde ich Produktnamen wie „Black Magic“ auch viel schöner als „XL-50“. Sie überlegen, warum ich Ihnen das erzähle? Ganz einfach: Hier geht es um die „Fox Warrior XT“-Matchruten.
Wir haben Ihnen die neue Warrior-Serie aus Feeder und Matchruten zwar schon in der Ausgabe 06/08 vorgestellt, aber die smarten Match-Schönheiten aus dem „Fuchsbau“ haben durchaus eine Einzelvorstellung verdient.
Fox Warrior XT 4,20 Meter
Ich gebe zu, dass ich zunächst doppelt skeptisch war. Zum einen mag ich martialische Namen (Warrior bedeutet Krieger) nicht so sehr bei Sportgeräten und zum anderen vermutete ich, es mit einem „Aufguss“ der Envoy-Ruten zu tun zu haben. Fox hat ein fabelhaft starkes Branding und deswegen bin ich bei solchen Firmen immer etwas vorsichtig. Zu schnell kann man sich verleiten lassen, den Namen zu exponieren und stattdessen beim Produkt etwas nachsichtiger zu sein. Meine Vorsicht war völlig unbegründet, denn die Macher von Fox haben einen wahren Champion ins Rennen geschickt.
Schon das Auspacken ist eine Zeremonie. Die Warrior steckt in einem Dreiecksrohr, dass sich über einen Mechanismus verschließen lässt. Ich weiß wohl, dass man das Rohr im Matchalltag kaum gebrauchen kann, aber eine durchdachte Verpackung gehört zu einem guten Produkt einfach dazu. Und derjenige, der sein Schätzchen absolut sicher zum Wasser transportieren möchte, zeigt sich über ein Fox-Transportrohr hocherfreut. Das Rohr ist übrigens so dimensioniert, dass es zwei Matchruten aufnehmen kann. So spart man Platz.
Ein spartanisches Stofffutteral passt zwar nicht ganz zum Outfit, aber immerhin ist es fest vernäht und zerfällt nicht gleich beim Öffnen. Ich mag es gar nicht, wenn sich beim ersten Benutzen schon die Nähte lösen und das Spitzenteil durch das Futteral saust. Aber nun endlich zur Rute.
Mir fallen sofort die beiden Ringe auf dem Handteil auf. Diese Ausstattung ist selten geworden im Zeitalter der Weitwurfwaggler, aber glauben Sie mir, zwei Ringe werden Sie bei Nässe zu schätzen wissen. Außerdem hat der Wind so etwas weniger Gewalt über die von der Rolle gleitende Schnur. Die 3,90 Meter-Variante verfügt ebenfalls über zwei Leitringe. Klasse.
Auf dem matten Blank versammeln sich siebzehn Keramikringe, die als leichte Einstegversion weit genug vom Blank abstehen, ohne klobig zu wirken. Wie es sich für einen guten Krieger gehört, wird bei der Rute auf Schmuck weitestgehend verzichtet. Das Familienwappen befindet sich kurz über dem Griffteil. Ohne die Epoxy-Glanzversiegelung wäre es vermutlich kaum zu erkennen. Das ist Matchrutendesign ganz nach meinem Geschmack: Style durch schlichte Eleganz. Ein solches Finish kann man sich auch nach zehn Jahren noch ohne Sonnenbrille ansehen.
Kurz über dem Griff ist eine Hakenöse angebracht, die als simpler Drahtbogen ausgelegt ist. Ich halte diese Lösung für einfach und genial, denn die Klappösen fangen doch gerne das dünne Monofil ein. Hier kann jedenfalls nichts verwickeln und man muss den Kork nicht massakrieren.
Der Griff wird von einem schlanken „Screw-Down“-Rollenhalter nach oben abgeschlossen, der mit Moosgummi gefüttert ist. Erfreulicherweise lässt sich das Oberteil so weit einschrauben, dass auch kleine Rollenfüße fest sitzen. Der hintere Bereich ist ein klassischer Korkgriff, der seinen Abschluss durch ein handbreites Stück Moosgummi erfährt. Einen unmittelbaren Nutzen kann ich in dieser Wiederholung zwar nicht entdecken, aber als raffiniertes Stilelement verleiht es der Rute einen eigenen Erkennungswert. Als Endkappe kommt ein Konus aus Rubberkork zum Einsatz. Dieses Material ist ideal, gut zu reinigen, robust und federnd.
Der Blank
Beim ersten Schwingen spürt man, dass die Warrior XT keine unkultivierte Wurfmaschine ist, sondern sich modern britisch verhält, das heißt, die Aktion ist spritzig und progressiv zugleich. Beim Wurf peitscht das Spitzenteil den Waggler förmlich nach draußen. Wenn Sie den „Peitschwurf“ (ich weiß gar nicht, ob es den Stil gibt, aber ich bevorzuge diesen) beherrschen, werden Sie die ganze Kraft der Rute zu spüren bekommen. Bei dieser Art von Wurf führe ich die feststehende Waggler-Montage zügig nach hinten, um im Moment der Straffung die Vorwärtsbewegung auszuführen. Das Ganze ähnelt sehr dem Fliegenfischen. Mit diesem Wurf kann ich Verwicklungen, wenn die Bleikette sich verjüngt, fast ausschließen und mir gelingen präzise Würfe zum anderen Ufer. Führt man hingegen die Montage ängstlich nach hinten, um dann den Wurf auszuführen, wird man häufig das Klappern der Bleischrote der sich verwickelnden Montage am Blank vernehmen. Das soll Angler schon in den Wahnsinn getrieben haben. Fox hat die Aktion der Rute aber auch auf den englischen Markt abgestimmt. An den Karpfenteichen wird man mit einer zu straffen Rute einfach keinen großen Erfolg haben. Es gilt nämlich schnell und weit mit mitunter sehr weichen Ködern zu werfen. Im Drill muss die Rute dann flexibel die Arbeit vor dem Kescher übernehmen. Ein harter Blank erhöht die Gefahr des Ausschlitzens enorm. Aber bitte ordnen Sie die Fox-Rute jetzt nicht vorschnell in die Kategorie „in Deutschland nicht brauchbar“ ein. Sie wirft nämlich auch schwere Waggler (bis 20 Gramm) ganz hervorragend. Richtig Freude kommt bei Gewichten von 3-15 Gramm auf.
Für das homogene Verhalten sorgen zusätzlich die passgenauen Zapfenverbindungen, die ohne Zweifel zu den besten und sichersten Steckverbindungen zählen.
Fazit
Die Elite-Serie war mir zu teuer, die Polly-Serie zu speziell und die Envoy-Ruten nicht „foxig“ genug. Die Warrior XT-Serie hingegen überzeugt mich voll und ganz. Sie bietet alles, was ich von einer Rute erwarte, die von englischen bzw. internationalen Spezialisten entwickelt worden ist. Sie versammelt viele USPs (USP ist wieder so ein Wort aus dem Marketing und bedeutet „Unique selling point“, also Alleinstellungsmerkmal) einer erfolgreichen Matchrute. Wenn Sie jetzt mit Sorgefalten an den Preis denken, sollten Sie sich entspannen, denn die meisterlichen Ruten werden unter 150 Euro angeboten. Wenn das nicht ein Grund zum Kaufen ist! In Summe bekommt die Rute von mir die Auszeichnung „Editor’s Choice“.
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