Auch beim Fischen gibt es ungeschriebene Gesetze, die man aus Tradition fortführt und besser nicht bricht. Interessanterweise findet Innovation aber immer dort statt, wo Traditionen durchbrochen werden oder man nach einiger Zeit wieder alte Praktiken erinnert. Das Fischen ist im Grunde immer gleich geblieben. Am Haken hängt der Köder und wir Angler bilden uns ein, denken zu können, wie ein Fisch fühlt.
Meist beginnt das Anglerleben mit der Brotflocke. Diese gerät über diverse Hightech-Köder in Vergessenheit, um viele Jahre als Geheimköder wieder entdeckt zu werden. Den Trends der Branche können wir uns zwar nicht entziehen, aber beruhigenderweise haben sich die „Algorithmen“ des Fischens nicht großartig geändert.
Wir wollen uns heute einem Paradigma widmen, das besagt, dass Matchruten immer aus drei Teilen bestehen und Steckruten sind.
Wer oft mit der Matchrute unterwegs ist und sie nicht nur als Notnagel für tiefe Gewässer einsetzt, kommt nicht umher, seine Montagen an die Gegebenheiten des Gewässers anzupassen. Eine Slider-Montage kann man zwar vorkonfigurieren, aber beim leichten Stick oder Crystal-Float wird die Chose schon komplizierter. Die Komplexität einer Bleikette passt eigentlich gar nicht in unseren Match-Alltag, denn die Vorbereitungen haben inzwischen ein kritisches Maß angenommen. Neben Pole, Bolo, Slider und Futterzeremonie mag man nicht auch noch Perlenketten knüpfen, die sich beim dritten Wurf ohnehin verwickeln. Und doch ahnt man, dass vielleicht gerade diese Montage entscheidender als der „tödliche“ Lockstoff gewesen wäre.
Vielleicht ist der eine oder andere Angler schon auf die Idee mit der Telematchrute gekommen, die man fein säuberlich, wie eine Bolo, fertig montiert mitführen kann. Aber halt, schon die gedankliche Verbindung von Matchrute und Telerute jagt vielen Anglern einen Schauder den Rücken hinunter. „Eine Matchrute ist dreiteilig“, mahnt das Kleinhirn. Bei mir ist das zwar nicht anders, aber in Anbetracht der eisigen Kälte und dem Wissen um die so erfolgreiche Stickmontage im Winter habe ich es gewagt und mir heimlich zwei Shimano Catana Telematchruten besorgt, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte.
Shimano Catana BX Telematch 4,20 und 5,10 Meter
Schon beim Auspacken der Ruten kann man sich über die angenehme Transportlänge freuen, denn die Catana Telematch 4,20 misst angenehme 112 Zentimeter, während die 5,10 Meter Variante mit 136 Zentimetern genauso lang wie eine Steckrute ist. Allerdings wären es im Falle einer 5-Meter-Rute dann gleich vier Teile. Die Telematch ist per se einteilig.
Beide Ruten sind mit einer 30- oder 40er Rolle ideal ausbalanciert und der Schraubrollenhalter sitzt bombenfest. Das Griffteil der Catanas ist am Ende mit Moosgummi ausgestattet. Obwohl ich durchgehende Korkhandteile noch schöner finde, muss ich zugeben, dass die Lösung mit Moosgummi gerade im Winter sehr angenehm warm ist. Außerdem kann man (was man eigentlich tunlichst unterlassen sollte) den Haken so schön darin fixieren.
Am Wasser offenbart sich sofort der ganze Komfort einer Telematchrute, denn ich hake die Montage aus, löse das Wickelbrett und schiebe die Teile schnell und ohne große Umsicht auseinander. Die 4-Meter Catana verfügt dabei über acht, die 5-Meter über neun Teile.
Die Montage ist schon im Wasser und der erste Unmut kommt auf, da ich die drei Schieberinge auf der Spitze nicht korrekt ausgerichtet habe. Das ist ungewohnt, schließlich steckt man eine Match einfach zusammen und die Ringe sitzen perfekt in der Flucht. Die kurze Teilung der Rute hat aber den Vorteil, dass man die Teleteile sauber und einfach ausrichten kann. Eine Match muss immer schnurgerade ausgerichtet sein. Bei dieser persönlichen Marotte bin ich praktischen Argumenten gegenüber nicht aufgeschlossen. Erstaunlich, denn fünf Minuten später zuckelt der Stick schon mit dem Haken schleifend in der Drift. Das ist bei der Kälte purer Luxus. Weitere Minuten später ist auch die Fünf-Meter Rute mit einem schweren Loafer einsatzbereit. Die lange Catana fühlt sich wie eine solide Bolo mit vielen Ringen an und verfügt über eine kräftige Aktion, die auch für kampfstarke Fische geeignet ist. Die Schneeflocken tauen auf der Rute und die 12 Ringe (5,10 Meter) verhindern ein Verkleben der Schnur am Blank wirkungsvoll. Viel mehr Ringe hat eine einfache Steckrute auch nicht. Außerdem stehen die größeren Ringe der Catanas weit ab und bieten damit zusätzliche Vorteile bei Feuchtigkeit.
Die Flucht der Rute ist trotz sorgfältiger Ausrichtung nicht ganz sauber. Die lange Spitze mit den Schieberingen hat geringfügig Schieflage. Diese kosmetische Unzulänglichkeit fällt besonders bei der langen Rute auf. Insgesamt liegen die Ruten wirklich gut in der Hand und nach kurzer Zeit hat man vergessen, eine Telerute in der Hand zu haben. Lediglich der stärke Durchmesser erinnert daran. Die 4-Meter-Catana ist dabei nur 16,4 Millimeter stark und unterscheidet sich mit diesem Wert nicht sehr von einer Steckrute. Bei der 5,10-Meter-Rute sind es schon kräftige 18,8 Millimeter.
Obwohl das Handling der Ruten angenehm ist, fühle ich mich durch das lange Griffteil etwas eingeschränkt. Gerade im Winter hat man mehr Kleidung an und da ist ein langer Griff, der unter dem Ärmel hängen bleibt nicht ergonomisch. 67 und 64 Zentimeter (5,10/4,20 Meter) sind einfach zu lang. Ein Griff mit Schraubrollenhalter sollte 60 Zentimeter nicht übersteigen.
Trotz enorm kurzer Aufbauzeit wollte sich im Schneetreiben kein Fischlein zum Anbiss verleiten lassen, aber immerhin ist in mir die Erkenntnis gereift, dass man mit einer Telematch sehr effektiv fischen kann, ohne große Abstriche machen zu müssen. Der Abstand zu den Steckruten ist spürbar, aber gerade die 4,20 Meter lange Catana zeigt, was mit modernen Teleruten möglich ist. Ich werde in Zukunft zwei Teleruten mit speziellen Montagen im Futteral bereithalten.
Fazit
Die Shimano Catana Telematchruten sind eine Empfehlung für pragmatische Angler, die die Match nicht ständig einsetzen müssen und gerne Zeit sparen. Für das kontinentale Sliderfischen würde ich allerdings immer zu einer spritzigen Steckrute greifen, da sich diese besser aufladen und eine noch homogenere Aktion aufweisen. Im Hinblick auf den Preis (ca. 110€) bieten die Catanas einen erstaunlichen Gegenwert. Da verzeiht man dann auch kleinere Verarbeitungsfehler, die man bei Shimano sonst nur mit der Lupe suchen muss. Die Ruten befinden sich auf einem hohen Niveau und es ist keineswegs ein Sakrileg, den Köder nicht mit einer Steckrute zum Fisch zu bringen. Ein Blick über den Tellerrand schadet bekanntlich nie.
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